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Gemeinsam auf dem Weg der Weisheit

„Obwohl es keine Blutsverwandtschaft zwischen uns gibt und ich sie nie gesehen habe, fühle ich mich ihnen im Herzen sehr verbunden. Ich sehe sie wie meine eigene Familie. Ich bete immer für ihr Glück und das ihrer Familien… Sie gehören zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben.“

Sherab Wangchuk,
Mönch aus Sharminub, heute an der Diwakar Buddhist Academy

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir möchten diesen Newsletter mit einigen Worten von Sherab beginnen – Worte, die direkt an euch gerichtet sind. Sherab kam im Alter von acht Jahren ins Sharminub-Kloster und setzt heute seine Studien an der Diwakar Shedra fort. Auch wenn er die Menschen, die ihm diesen Weg ermöglicht haben, nie persönlich getroffen hat, trägt er sie in seinem Herzen wie eine Familie.

Mit dem Segen Seiner Heiligkeit, des 17. Karmapa Trinley Thaye Dorje, der bleibenden Vision des 14. Kunzig Shamarpa und der geduldigen, beständigen Begleitung durch Jigme Rinpoche ist Sharminub zu einem Ort herangewachsen, an dem buddhistisches Wissen, Mitgefühl und Weisheit achtsam gepflegt und weitergegeben werden.

Jetzt, da der Frühling beginnt, möchten wir euch von Herzen für eure anhaltende Unterstützung danken. Durch eure Großzügigkeit und euer Vertrauen können die jungen Mönche von Sharminub in Wissen, Selbstvertrauen und innerer Ausrichtung heranwachsen.

Einblicke in den Weg: Sherab Wangchuk

Um euch einen persönlicheren Eindruck vom Leben vor Ort zu geben, haben wir mit Sherab gesprochen:

„Dann kamen wir 2016 im Sharminub-Kloster an. Ein Lehrer begrüßte uns… Etwa eine Stunde später gingen meine Eltern. Ich weinte nicht nach außen, aber in meinem Herzen brach ich in Tränen aus. Ich blickte immer wieder zurück zu dem Ort, an dem meine Eltern verschwanden.“

„Zurzeit studiere ich Madhyamaka-alamkara bei Khenpo Rigzin. Wir mögen dieses Fach sehr und gehen mit Freude zum Unterricht.“

Sherabs Worte zeigen eindrücklich, welche Wandlung in Sharminub möglich ist – und welche stille Kraft eure Unterstützung entfaltet. Das vollständige Interview mit ihm findet ihr unten.

Interview mit Sherab Wangchuk

1. Kannst du uns deinen Namen nennen und erzählen, wann du nach Sharminub gekommen bist?

Mein Name ist Sherab Wangchuk. Ich war acht Jahre alt, als ich ins Sharminub-Kloster aufgenommen wurde. Dort habe ich über fünf Jahre lang meine Grundausbildung erhalten. Heute bin ich 19 Jahre alt und studiere an der Diwakar Buddhistischen Akademie (auch bekannt als Diwakar Shedra). Ich bin jetzt seit über fünf Jahren dort und vertiefe mich in das Studium der buddhistischen Philosophie.

2. Was ist deine früheste Erinnerung an deine Ankunft im Sharminub-Kloster?

Ich erinnere mich nicht mehr an alles ganz genau. Mein Vater sagte mir, ich solle ins Kloster gehen, um den Buddhismus gut zu lernen und eines Tages ein guter Dharma-Lehrer für unser Dorf zu werden. Meine Mutter meinte: „Wenn du ins Kloster gehst, wirst du keine Schwierigkeiten haben. Dein zukünftiges Leben wird glücklich sein.“

Zuerst brachten mich meine Eltern zur Boudha-Stupa in Kathmandu. Dann kamen wir im Sharminub-Kloster an. Ein Lehrer begrüßte uns, aber ich weiß nicht mehr, wer es war. Etwa eine Stunde später verabschiedeten sich meine Eltern. Ich habe äußerlich nicht geweint, aber in meinem Herzen brach etwas. Ich schaute immer wieder in die Richtung, in der sie verschwunden waren.

3. Was war das Schwierigste für dich, als du dich als Kind an das Klosterleben gewöhnen musstest?

Ich hatte keine Probleme mit dem Unterricht, den Regeln im Kloster oder dem Essen. Am schwierigsten war es, wenn die Eltern der anderen Jungen zu Besuch kamen. Ich dachte dann oft, wie schön es wäre, wenn meine Eltern auch kommen könnten. Jeden Tag wartete ich auf sie. Ich vermisste meine Familie sehr und habe viele Nächte heimlich im Bett geweint. Das war meine größte Herausforderung.

4. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass Menschen aus der Ferne – die dich nie persönlich getroffen haben – deine Ausbildung und deinen Weg unterstützt haben?

Auch wenn wir nicht verwandt sind und ich sie nie gesehen habe, fühle ich mich ihnen im Herzen sehr nah. Ich sehe sie wie meine eigene Familie. Ich bete immer für ihr Glück und das Glück ihrer Familien. Sie gehören zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben, und ich könnte sie niemals vergessen. Wenn ich sie eines Tages persönlich treffen darf, möchte ich meine Dankbarkeit offen und von Herzen ausdrücken.

5. Welche Fächer machen dir am meisten Freude?

Zurzeit (2025) bin ich in der Madhyamaka-Klasse (Mittlerer Weg). Von allen Fächern, die ich bisher gelernt habe, gefällt mir Madhyamaka am besten. Aktuell studiere ich Madhyamaka-Alamkara (Uma Gyen) bei Khenpo Rigzin. Seine Lehrweise ist ausgezeichnet – deshalb gehen wir alle mit Freude in den Unterricht. Die Khenpos und Lehrer hier sind sehr erfahren und unterrichten mit viel Hingabe.

6. Was sind deine Wünsche und Träume für die Zukunft?

Ich habe zwei große Wünsche:
Erstens hoffe ich, ein guter Mensch zu werden und mein Studium vollständig abzuschließen. Wenn ich das schaffe, möchte ich Khenpo werden – also Lehrer oder Abt – und vielen fühlenden Wesen als Dharma-Lehrer dienen.
Zweitens möchte ich – so wie es sich mein Vater gewünscht hat – in mein Heimatdorf zurückkehren und dort als Dharma-Lehrer für unsere buddhistische Gemeinschaft wirken und Dharma-Aktivitäten unterstützen.
Das sind die Hauptziele meines Lebens.

7. Wie sieht ein typischer Tag als junger Mönch im Kloster aus?

Ein Tag im Leben eines Klosterschülers

Morgenroutine

  • 5:00 Uhr – Aufstehen, Gesicht waschen, Zähne putzen
  • 5:30–6:30 Uhr – Auswendiglernen von Wurzeltexten
  • 6:30–7:30 Uhr – Morgengebete mit allen Mönchen (z.B. Lobpreis auf Manjushri und Tara)
  • 7:30–8:00 Uhr – Frühstück
  • 8:00–9:00 Uhr – Madhyamaka-Unterricht (Philosophie des Mittleren Wegs)

Vormittags und mittags

  • 9:00–11:00 Uhr – Selbststudium
  • 11:00–12:00 Uhr – Englisch-Unterricht
  • 12:00–13:00 Uhr – Mittagessen
  • 13:00–15:00 Uhr – Intensivstudium der aktuellen Fächer
  • 15:00–15:15 Uhr – Teepause

Nachmittags und abends

  • 15:15–16:00 Uhr – Wiederholungsvortrag zu Madhyamaka mit dem Studienleiter
  • 16:00–17:40 Uhr – Philosophische Debatte (oft unter Beobachtung des Abts und der Lehrer)
  • 18:00–19:00 Uhr – Mahakala-Ritual
  • 19:00–20:00 Uhr – Abendessen
  • 20:00–21:30 Uhr – Selbststudium im eigenen Zimmer
  • 21:30–22:30 Uhr – Pause und persönliche Gebetszeit
  • 22:30 Uhr – Nachtruhe

Dieser Tagesablauf ist die Grundlage für unsere Ausbildung und Praxis im Kloster.

Ein freudiger Meilenstein: der nächste Schritt

Seit 2018 haben insgesamt 30 junge Mönche ihre Grundausbildung in Sharminub abgeschlossen und setzen ihren Bildungsweg an der Diwakar Buddhistischen Akademie in Kalimpong, Indien, fort.

Anfang dieses Monats fand eine feierliche Abschieds-Teestunde statt: Die Sharminub-Gemeinschaft verabschiedete sechs Schüler, die nun ihr nächstes Kapitel an der Diwakar Shedra beginnen.

Zu sehen, wie sie ihren Weg selbstbewusst weitergehen, erinnert uns daran, was aus geduldiger Fürsorge und langfristigem Engagement entstehen kann. Eure Unterstützung gleicht der Arbeit eines tibetischen Künstlers, der ein heiliges Manuskript mit Hingabe illuminiert – langsam, sorgfältig und mit großer Ehrfurcht. Heute beginnt sich die Schönheit dieser Mühe zu zeigen: junge Menschen, tief verwurzelt in ethischen Werten, die mit Klarheit und Sinn ihren Weg der Weisheit gehen.

Bald verfügbar: Jahresbericht & Spendenbescheinigungen

In Kürze wird Sharminub Knowledge Rising den Jahresbericht 2024 veröffentlichen – mit aktuellen Programminformationen, Rückblicken, Höhepunkten und Finanzdaten des vergangenen Jahres.

Die Spendenbescheinigungen für alle Zuwendungen aus dem Jahr 2024 werden ebenfalls innerhalb der nächsten zwei Wochen per E-Mail versendet. Solltet ihr eure Kontaktdaten aktualisieren wollen oder Fragen haben, könnt ihr euch einfach an uns wenden.

Mit herzlichem Dank,
Euer Team von Sharminub Knowledge Rising

Avec toute notre gratitude, L’équipe de Sharminub Knowledge Rising